Wozu Beratung und Psychotherapie für Menschen, die LSBTIQ* sind?

Autor*innen: Dr. phil. Ulli Biechele, Dipl.-Psych. Margret Göth, Dipl.-Psych. Thomas Heinrich, Dr. phil. Jochen Kramer und Dipl.-Psych. Andrea Lang

LSBTIQ* zu sein ist genau so gesund wie nicht LSBTIQ* zu sein.

Und egal, ob Menschen LSBTIQ* sind oder nicht: in bestimmten Situationen und Belastungen kann eine Beratung oder Therapie hilfreich sein.

Zum Beispiel:

  • wenn jemand sich selbst besser verstehen will
  • wenn jemand mehr Selbstbewusstsein entwickeln will
  • wenn jemand mit Problemen und Fragen nicht mehr alleine fertig wird
  • wenn jemand gegen die Einsamkeit angehen will
  • wenn jemand etwas gegen seine Ängste tun will
  • wann jemand damit aufhören will, sich selbst Schaden zuzufügen

und nicht nur:

  • wenn jemand Panik-Attacken hat oder vor lauter Ängsten nicht mehr allein aus dem Haus gehen kann
  • wenn jemand wegen Depressionen wochenlang nicht aus dem Bett kommt
  • wenn jemand darunter leidet,  sich fünfzig mal am Tag die Hände waschen zu müssen
  • wenn jemand das Essen vermeidet oder Fressanfälle hat und danach erbricht
  • wenn jemand von Alkohol oder anderen Dingen abhängig ist

kurz: wenn jemand  etwas an seinem Leben ändern möchte.

Berater*innen und Therapeut*innen haben in ihrem Studium und ihren Ausbildungen gelernt, in diesen Situationen so zu helfen, dass Ratsuchende gute Lösungen für sich finden können.Für Menschen, die LSBTIQ* sind, ist wichtig, dass ihnen in der Beratung oder Therapie genau so gut geholfen wird, wie Menschen, die nicht LSBTIQ* sind.

Das ist nicht selbstverständlich, da ihre Lebenssituation eigene Fragen, Herausforderungen und Chancen mit sich bringt: 

  • Zum Beispiel gibt es in der Jugendzeit oft niemanden, um sich glücklich zu verlieben, niemand der dabei hilft, mit den verwirrenden Gefühlen zum eigenen Geschlecht klar zu kommen und niemanden der Fragen zum eigenen Geschlechtsempfinden nachvollziehen kann oder helfen kann, sie zu beantworten. Häufig belasten auch Eltern ihre LSBTIQ*-Kinder mit ihren Ängsten vor Nachbarn und anderen Familienangehörigen.
  • An Erwachsene stellt das Coming-Out und das Leben als LSBTIQ* immer neue Herausforderungen: Oute ich mich bei der Arbeit? Warum komme ich mit der Szene nicht zurecht? Wie kann ich eine glückliche Liebesbeziehung führen? Wie komme ich zu mehr Selbstbewusstsein? Wie kann ich mit Diskriminierungserfahrungen umgehen und Gewalterfahrungen bewältigen, die ich erfahren habe, weil ich LSBTIQ* bin?
  • Geflüchtete Menschen, die LSBTIQ* sind, fragen zum Beispiel: Wie finde ich Kontakt zu anderen LSBTIQ*-Menschen? Wo finde ich Schutz in der Unterkunft? Vor wem bzw. in welchen Situationen kann ich mich gefahrlos outen?

Die Lebenssituation von LSBTIQ*-Menschen kann auch Vorteile mit sich bringen: wenn sie sich z.B. leichter aus für sie unpassenden (spieß)bürgerlichen Lebensmodellen lösen und ganz persönliche Lebensformen entwickeln. Eine gute Beratung oder Therapie für LSBTIQ*-Menschen berücksichtigt die besonderen Chancen der Menschen, die LSBTIQ* sind, und hilft, auf LSBTIQ*-spezifischen Fragen passende Antworten zu finden.

Letzte Aktualisierung: 20.10.2020

nach oben