Vorurteile und Diskriminierung

Soziale Diskriminierung von LSBTIQ* Menschen

Autor*innen: Leyla Jagiella & M. Albarzawi

In Deutschland gibt es eine lange Geschichte der Diskriminierung von LSBTIQ* Menschen

Obwohl das Gesetz in Deutschland weitestgehend die Rechte von LSBTIQ* Menschen schützt, sollten wir nicht glauben, dass alle Bereiche in Deutschland diskriminierungsfrei sind. Es gibt weiterhin gesellschaftliche Vorurteile die sich in Diskriminierungen im sozialen Umfeld, in der Schule, in Freizeiteinrichtungen und auf der Arbeit niederschlagen. Eine offene Gesetzeslage bedeutet nicht automatisch, dass alle gesellschaftlichen Kontexte in gleicher Weise lsbtiq* Menschen mit Respekt begegnen.

Verschiedene Formen von Diskriminierung und Gewalt gegen LSBTIQ* Menschen

Diskriminierung kann sich in verschiedenen Graden äußern. Angefangen von Andeutungen und Microaggressionen, über verbreitete Bilder und Slogans, bis hin zu verbaler oder gar körperlicher Gewalt.

Homophobie:

In vielen Gesellschaften existieren Vorurteile gegen Menschen, die gleichgeschlechtlichen Sex und/oder Beziehungen haben. Diese Vorurteile können sich in einer Bandbreite äußern, die von Beleidigungen, über gesetzliche Diskriminierung, bis hin zu brutaler physischer Gewalt reicht. Homophobie ist oft eng mit Transphobie und Femiphobie verbunden, so wird etwa schwulen Männern oft vorgeworfen, sie seien "zu feminin", während lesbische Frauen oft dafür angegriffen werden "zu maskulin" zu sein.

Transphobie

Trans* Menschen bilden oft den öffentlich sichtbarsten Teil der LSBTIQ* Community und sie sind deswegen auch die am häufigsten von Diskriminierung betroffenen. Auch innerhalb der LSBTIQ* Community erleben trans* Menschen oft Diskrimineirung da z.B. auch viele schwule Männer und lesbische Frauennicht genug über trans* Menschen wissen.

Femiphobie

Femiphobie ist die Ablehnung und Abwertung von jeder Form von Femininität, insbesondere auch in Bezug auf die Feminität von Menschen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde. Feminine Männer werden oft der Belustigung und Verhöhnung ausgesetzt und ihre Geschlechtsidentität wird in Frage gestellt. Dies ist nicht nur ein Problem in der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch innerhalb der schwulen Gemeinschaft.

Rassismus in der LSBTIQ* Gemeinschaft

Diskriminierung auf Grund von Rasse oder Herkunft ist eine der üblichsten Formen von Diskriminierung innerhalb der LSBTIQ* Gemeinschaft. Menschen, die einen Migrationshintergrund haben, ethnischen Minderheiten angehören oder aus anderen kulturellen Kontexten stammen fühlen sich hier oft durch die Mehrheit marginalisiert.  LSBTIQ* Menschen "of colour" erleben in der Community oft Vorurteile mit Bezug darauf, wie sie mit ihrer Sexualität oder Geschlechtsidentität umgehen. Rassismus kann zudem auch die Form von Fetischisierung haben oder von Erwartungen bezüglich bestimmter Rollen und Verhaltensweisen.

Was können Menschen tun, um Vorurteile / Diskriminierung gegenüber LSBTIQ* Menschen zu verringern?

Text nach APA, überarbeitet von Uta Krüger, Dr. phil. Gisela Wolf, Luise Kenntner

LSBTIQ* Menschen, die gegen Vorurteile und Diskriminierung vorgehen möchten, sollten offen mit ihrer sexuellen Orientierung und/oder Geschlechtsidentität umgehen. Wenn sie sich offen zu ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bekennen, haben heterosexuelle und cissexuelle Menschen die Möglichkeit, persönlichen Kontakt mit offen lebenden LSBTIQ* zu haben und sie als Individuen wahrzunehmen. Dies ist wichtig, da Studien über Vorurteile im Allgemeinen und über Vorurteile gegen homosexuelle Menschen im Besonderen wiederholt zeigen, dass Vorurteile zurückgehen, wenn die Mehrheit und Minderheit miteinander in Kontakt kommt. Diesem Muster folgend, besteht der stärkste Einfluss für die Akzeptanz von LSBTIQ* durch Hetero- und Cissexuelle im persönlichen Kontakt mit einem LSBTIQ* Menschen. Eine negative Einstellung z.B. Homosexuellen gegenüber kommt sehr viel seltener bei denjenigen vor, die homosexuelle FreundInnen oder ein homosexuelles Familienmitglied haben, besonders wenn die betroffene Person sich bei diesen Menschen persönlich geoutet hat.

Hetero- und cissexuelle Menschen, die helfen wollen, Vorurteile und Diskriminierung zu verringern, können ihren eigenen Umgang mit homo- sowie trans* und interfeindlichen Stereotypen und Vorurteilen betrachten. Sie sollten besonderen Wert darauf legen, LSBTIQ* Menschen kennen zu lernen und mit ihnen und der LSBTIQ* Gemeinschaft gegen Vorurteile und Diskriminierung zu kämpfen.

Eine gute Möglichkeit dazu könnte sich z.B. bei einem Familienfest bieten. Tipps für alle Gastgeber, die befürchten, ein anstehendes Familienfest könnte nicht entspannt verlaufen, bietet der Ratgeber der Psychosozialen Frauenberatungsstelle donna klara, Kiel: "Familienfest mit lesbischen Töchtern - Zutaten für ein gutes Gelingen". – Die Zutaten sind größtenteils auch für Familienfeste mit schwulen Söhnen geeignet.

Außerdem können hetero- und cissexuelle Menschen dafür arbeiten, das Coming-out leichter zu machen, indem sie andere hetero- und cissexuelle Menschen auf ihr verurteilendes oder diskriminierendes Verhalten aufmerksam machen. Hetero- und cissexuelle Verbündete können zu Antidiskriminierungskampagnen aufrufen, die die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität mit einschließen, und Politiker*innen und Organisationen unterstützen, die sich für die Gleichberechtigung von LSBTIQ* +Menschen einsetzen.

 

Quellenhinweis:

APA = American Psychological Association. (2008). Answers to your questions: For a better understanding of sexual orientation and homosexuality. Washington, DC. [verfügbar unter http://www.apa.org/topics/sexuality/orientation.aspx].

Letzte Aktualisierung: 08.11.2020

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