Was hilft im Coming-out?

Autor*innen: Dr. phil. Ulli Biechele, Dipl.-Psych. Margret Göth, Dipl.-Psych. Thomas Heinrich und Dipl.-Psych. Andrea Lang

Für die meisten Menschen im Coming-out ist die Suche nach Informationen und Kontakten zu anderen LSBTIQ* Personen sehr wichtig. Viele erleben es wie eine Befreiung, endlich Gleichgesinnte zu finden und die Gefühle, die sie vielleicht schon lange wahrgenommen haben, ausdrücken und leben zu können.

Kontakte zu anderen LSBTIQ* Personen können z.B. über Lesben- oder Rosa Telefone, über LSBTIQ* Beratungsstellen vermittelt werden. Coming-out-Gruppen, die leider nur noch in einigen Großstädten angeboten werden, bieten einen Rahmen, um die eigenen Fragen mit anderen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, besprechen zu können und gemeinsam Neues auszuprobieren.

Viele finden auch Unterstützung bei ihren Freund*innen und Angehörigen. Dabei ist aber zu bedenken, dass auch die Freund*innen und vor allem die Eltern sich erst mal mit den neuen Erkenntnissen auseinandersetzen müssen und dabei selbst oft auch einen eigenen Prozess von Unglauben, Verleugnung, Toleranz und endgültiger Anerkennung durchlaufen. Leider gelingt es immer noch etwa einem Drittel aller Eltern nicht ihre schwulen, lesbischen und bisexuellen Kinder wertschätzend anzunehmen (vgl. Studie "Sie liebt sie, er liebt ihn", Senatsverwaltung für Schule, Jugend u. Sport Berlin, 1999).

Aus Angst vor Ablehnung verbergen trans* Kinder und Jugendliche oft ihre geschlechtliche Identität. Die Spanne zwischen Bewusstwerden des eigenen trans*-Seins und einem Coming-out umfasst meist mehrere Jahre (vgl. Studie "Coming-out - und dann...?!", Krell & Oldemeyer, 2015). Tatsächlich berichten 70% der in der Studie interviewten 14-27 Jährigen von schlechten Erfahrungen innerhalb der engeren Familie. Dazu gehört, nicht in ihrer Identität ernst genommen (78% davon) oder in ihrer Identität absichtlich ignoriert zu werden (61% davon). Die psychosozialen Folgen sind weitreichend: Trans*jugendliche leiden besonders oft unter Einsamkeit, Ängsten, schulischen Problemen, Unsicherheit, Schuldgefühlen, Depressionen und Selbstverletzungen (vgl. "Problembeschreibung Transphobie", Kummer, 2011)

Im Rahmen von Beratung und Therapie ist es wichtig, dass alle Gefühle ernst genommen werden, sowohl die positiven Gefühle wie auch die Ängste und Sorgen sollten Raum finden. Selbstverständlich ist, dass die Therapeut*in die Klient*in nicht in eine Richtung drängen sollte. Des Weiteren können Hilfestellungen zur Informationssuche und zum Kontaktaufbau gegeben werden und schwierige Gespräche gemeinsam vorbereiten werden.

Letzte Aktualisierung: 25.10.2020

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